“Warum ist das Männer- und Frauenprogramm in Gemeinden eigentlich voller Geschlechter-Klischees?”
Dinge die ich in meiner Gemeinde nicht sagen darf
weiblich, 20-35, Wien, evangelikal
Alle meine Erfahrungen zu Männer- und Frauenkreisen in den letzten zehn Jahren waren: In den Frauenkreisen wird gebastelt, Fingernägel lackiert, geschminkt und geweint und umarmt, während die Männer gemeinsam Sport machen, im Garten grillen und theologische Diskussionen führen.
Mit diesen Frauenkreisen konnte ich noch nie etwas anfangen, und wenn ich mich doch einmal dazu überwunden habe, zu einem Frauenkreis zu gehen, habe ich mich völlig fehl am Platz gefühlt und bin total leer nach Hause gegangen.
Ich mache viel lieber Sport, führe gerne herausfordernde Diskussionen über Dinge, die mich beschäftigen, sehe mir ein Fußballspiel an oder helfe dreckverschmiert beim Umbau-Projekt in der Gemeinde – auch wenn man mich auf den ersten Blick vielleicht nicht so einschätzen würde. Aber diese Dinge werden in der Gemeinde nur für Männer angeboten, da durfte ich nur selten mit – es ist ja ein Männer-Event.
Als ich aufgehört habe, zu den Frauenkreisen zu gehen, haben bald die besorgten Fragen und Blicke begonnen – Warum willst du denn keine Gemeinschaft haben? Gott hat uns doch zur Gemeinschaft berufen? Wieso kapselst du dich denn so ab? Wieso willst du nicht über deine Gefühle sprechen? Wieso verhärtest du dein Herz so?
Ich spreche gerne und offen über meine Gefühle und Gedanken, aber eben verschwitzt und außer Puste beim Joggen. Und ich muss dabei einfach nicht so oft weinen.